Ein Happy End für unsere Nashörner

Lange schon ist es ein großes Thema und doch scheint es, als wenn wir der grausamen Wilderei machtlos gegenüber stehen: im Jahr 2014 hat allein Südafrika 1.215 Nashörner an kaltblütige Wilderer verloren. Beeinflusst und bestochen von der asiatischen Pharmaindustrie, die dem Horn dieser wunderschönen Tiere eine potenzsteigernde, heilende Wirkung zuschreiben. Ein fataler Irrtum! Die Heilkraft des Nashorns ist längst widerlegt, denn es besteht ausschließlich aus Keratin – so wie auch unsere Fingernägel.

André Barnard Jnr aus Namibia wollte diesen Missständen nicht mehr tatenlos zusehen und gründete gemeinsam mit seinem Freund Gavin Green vor mittlerweile mehr als 2 Jahren das Projekt „The Rhino Ride“. Beide teilen eine große Leidenschaft für das Motorradfahren und nutzen diese nun bereits das zweite Mal, um in Europa von Land zu Land und von Ort zu Ort zu reisen. Sie wollen vor allem Touristikunternehmen an ihre Verantwortung erinnern und Spendengelder im Namen der zwei renommierten Tierschutz-organisationen Chipembere Rhino Foundation in Südafrika und Next Generation Conservation Trust in Namibia sammeln.


André hat seine ganz eigene Geschichte, die zeigt, wie eine Begegnung zwischen Mensch und Tier das Leben verändern kann. Brechen wir also auf zu einer kleinen Reise nach Namibia:

Meine persönliche Geschichte zu Nashörnern begann vor einigen Jahren an einem der trockensten Orte Afrikas. Eines Tages fand ich mich in einem Kleinflugzeug wieder, unter Medikamenteneinfluss und einer Panikattacke aus Flugangst nah, in Richtung Kunene Region. Ich war auf dem Weg zum Desert Rhino Camp, das zur Wilderness Gruppe gehört. Dieses Camp befindet sich in der Palmwag Konzession und hat rückblickend meine Meinung zum Thema Naturschutz und mein Leben komplett verändert.

 

Glücklicherweise war die Landung der schöne Teil des Fluges und die Fahrt im Jeep zum Camp eine wirkliche Erlösung. Die Umgebung schien unwirtlich, unglaublich heiß und trocken. Sogar der Schweiß verdampfte hier in der frühen Nachmittagssonne. Ich weiß noch genau, dass ich in diesem Moment dachte, dass einige dieser Steine und Felsen sich in Hunderten, gar tausenden von Jahren nicht vom Fleck und aus der sengenden Sonne bewegt haben. Es hat etwas Unwirkliches, Demütiges, wenn man realisiert, dass unsere Lebenszeit im Vergleich zu der dieser Felsen und Gesteinsformationen nur ein Augenaufschlag ist. Felsen, die nie von einer Menschenhand berührt wurden und die uns um weitere hundert oder tausend Jahre überleben werden.

 

Die Wilderness Camps Kette ist wirklich etwas Besonderes und es liegt eine Menge Wahrheit in ihrem Slogan, dass ein Aufenthalt in ihren Camps das Leben verändern kann. Von der ersten Minute nach Erreichen unserer Zelte wusste ich, dass mein Besuch hier eine unvergessliche Erinnerung bleiben wird. Alle Zelte bieten eine unglaubliche Aussicht über die Landschaft und Sonnenuntergänge, die einem Amarula-Werbespot entsprungen sein könnten. In der Gemeinschafts-lounge und im Essbereich wurden Afrika-Fotos der Region ausgestellt, von denen man denken könnte, man sieht dieses Afrika nur in Filmen oder Büchern. Dieses Gefühl setzte sich in meinem gemütlichen Zelt mit weißen Leinen, Moskitonetzen und einem echten „Jenseits von Afrika“-Ambiente fort. Vollkommen überwältigt von all diesen Eindrücken wollte ich schon fast eine Shampooflasche schnappen und nach einem Opfer suchen, dem ich inmitten der Wildnis die Haare waschen könnte (wer hiermit nichts anfangen kann: schaut doch heute Abend einmal „Jenseits von Afrika“). Auch das Bad entsprach dem Ambiente des restlichen Zeltes wirklich gut und der hängende Eimer für die Dusche gab dem Ganzen einen neuartigen, spannenden Touch – ich hab natürlich nicht darüber nachgedacht, wo das Wasser herkommt.

 

Doch das klärte sich gleich auf, als mich einer der Mitarbeiter des Camps in meinem Zelt herumführte und mich informierte, dass sie gern einen Eimer warmes Wasser bringen würden, wenn ich duschen möchte und ich dann nur den Hahn des Eimers betätigen müsste. Was?! Ein einziger Eimer Wasser zum Duschen? Ich bin gerade eben hunderte von Kilometern in Schweiß gebadet, dem Tode ins Auge blickend in dieses Nirgendwo geflogen und muss meine Kleidung reinigen und jetzt wird mir gesagt, dass ich nur einen einzigen Eimer Wasser zum Duschen bekomme? Der Camp Manager bestätigte meine schlimmsten Ängste, bot mir aber einen extra Eimer an, wenn ich ihn unbedingt bräuchte. Er vergaß natürlich nicht zu erwähnen, dass wir hier in der Wüste sind. Wo ist bitte ein Wasserspeicher, wenn man ihn braucht? Rein theoretisch gesprochen: Was, wenn wir kein Wasser mehr haben? Nicht auszumalen, man drückt uns eine Flasche Mineralwasser in die Hand, uns selbst überlassen, ob wir diese gegen Durst oder zum Waschen verwenden. Aber wenigstens wäre ich sauber, wenn mich ein medizinisches Notflugzeug aufgrund schwerer Dehydration und mit Nierensteinen aus der Wildnis retten muss. Diese Gedanken und Reaktion habe ich wohl meiner Mutter, einer Halb-Norwegerin, zu verdanken. Die Norweger sind in Bezug auf das Thema Wasser ein bisschen wie die Holländer. Das tägliche Bad meiner Mutter dauert ungefähr so lange wie das endlose Einlegen eines Herings. Aufgrund meines norwegischen Blutes beschleicht auch mich bei jeder Dusche der Gedanke, dass ich vermutlich die Wassermengen eines Reservoirs verbrauche und Wasserknappheit für die umliegenden Häuser für eine ganze Woche verursache.

 

Maulend und mit diesen Gedanken in meinem Kopf brachen wir also auf zu unserer Nachmittags-Pirschfahrt zu den Spitzmaulnashörnern.

 

Schauen wir auf eine Landkarte, befindet sich die Kunene Region nicht weit von der Küste entfernt (ca. 80 km) und doch erscheint es, als wenn sich noch nie ein Tropfen Wasser an diesen Ort verirrt hat. Bei einem genauen Blick in die unendliche Weite, kann der Betrachter auch hier grüne Flecken zwischen den Felsen und der farbenprächtigen, verdörrten Erde erkennen und die Natur erwacht plötzlich zum Leben. Eine Vielzahl von verschiedenen Tierarten lebt unter diesen harten Bedingungen. Für uns macht es den Eindruck, als wäre es hier unmöglich zu überleben. Wir setzten unsere Reise fort, immer auf der Lauer etwas zu entdecken. Der Jeep bewegt sich in Richtung Horizont, wir spürten nur die Hitze, hörten den Geräuschen des Dieselmotors zu und bewegten uns mit den rhythmischen Bewegungen des Jeeps mit.

 

Doch auf einmal wurde es ruhig. Plötzlich hielt der Jeep und sie standen vor uns: zwei riesige Nashörner. Der Ranger prüfte sofort, von welcher Seite der Wind kam, damit die Tiere uns nicht witterten. Der Motor des Land Rovers kühlte langsam ab, ein lauer Nachmittagswind wehte und wir schauten gebannt zu ihnen: dort standen die beiden Nashörner, in aller Ruhe an einem Strauch kauend. Jede ihrer Bewegungen war anmutig, bedenkt man, wie viel Gewicht sie tragen. Die Zeit schien nur für diesen Moment still zu stehen. Wir waren nah genug an diesen unglaublichen Dickhäutern, um die Maserung und Narben in der Haut zu sehen. Doch durch das Fernglas bekamen wir ein noch besseres Gefühl für die sanfte Schönheit, die langen Wimpern, die freundlichen, klaren Augen. Wenn man sie nur lang genug ansieht, dann scheint es, als würden sie immer lächeln. Ihr majestätisches Horn glänzte in der sinkenden Sonne.

 

Ich kann mich nicht erinnern, wie lange wir dort in der Wüste waren und den Nashörnern zusahen, aber als wir unseren Sundowner an einer anderen Aussichts-Stelle genossen, die Sonne niedrig stand und das Gespräch verstummt war, teilten plötzlich fremde Reisende ein Tier-Erlebnis, das sie niemals wieder vergessen werden.

 

Ich habe keine Ahnung, wie ich meine Dusche mit nur einem Eimer Wasser gemeistert habe. Wahrscheinlich mit dem Bewusstsein, dass eine ausschweifende Dusche nach norwegischer Art den nächsten Wasserspeicher geleert und Wasserknappheit für alle Lebewesen im Umkreis von mindestens 100 km erzeugt hätte. In dieser Nacht lag ich in meinem Bett und dachte daran, dass sich draußen unter dem freien Sternenhimmel zwei wunderschöne Nashörner befanden und ich stellte mir vor, wie sie sich gemeinsam zur Nachtruhe betteten. Vor dem Hintergrund dieses Erlebnisses verblassten all meine Sorgen, die ich noch am Morgen des gleichen Tages wegen eines Ein-Eimer-Wassersystems, das voll und ganz seinen Zweck in dieser trockenen Region der Erde erfüllt, hatte.

 

Jahre später las ich einen Satz in einem Buch namens „The Long Way Around“, das einer meiner großen Motorrad-Helden und ein berühmter Schauspieler veröffentlichte: Eines frühen Abends hatte Ewan McGregor eine Begegnung in den Bergen der Mongolei. Jenseits jeglicher Zivilisation traf er auf einen Einheimischen, der ihn und seinen Mitfahrer gastfreundlich aufnahm. Dieser Mann „[…] war so zufrieden in seiner Umgebung und so freundlich zu uns, und ich verliebte mich auf den ersten Blick in ihn und in die Berge und in die Mongolei.“ Genau so erging es mir mit diesen zwei Nashörnern, die dort in der Wildnis in diesem wunderschönen Land standen.

 

Diese Erfahrung ist nun 10 Jahre her. Damals, als Wilderei in Namibia noch weit entfernt war und die Tiere in Frieden leben konnten. Und während ich persönlich bisher keine großen Geschichten über Liebe auf den ersten Blick zu erzählen habe – jedenfalls keine mit einem Happy End, wie es Ewan McGregor hatte - hoffe ich, dass unsere Nashörner mit unserer Hilfe und Unterstützung eine glückliche Zukunft haben!

 

Helft auch ihr mit, erzählt euren Freunden davon, reist nach Afrika und erlebt diese stillen Riesen hautnah oder spendet an eine der Organisationen, so wie wir es getan haben. Gemeinsam können wir es schaffen, der Wilderei in Afrika ein Ende zu bereiten.

 

Informiert euch über The Rhino Ride auf folgenden Seiten:

 

Website des Projektes "The Rhino Ride"

 

Damit unsere Nashörner ein Happy End haben!


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Kommentare: 2
  • #1

    Katja S. (Donnerstag, 30 Juli 2015 14:23)

    Einfach wunderschön geschrieben und so anders als andere Tierschutzberichte! Weiter so und viel Erfolg!

  • #2

    Gela (Donnerstag, 30 Juli 2015 17:39)

    Deine Geschichte hat sehr berührt und an unsere eigenen Erlebnisse in Afrika, Botswana, erinnert. Man kann nur empfehlen, in die beeindruckende Vielfalt der Tierwelt und Vegetation einzutauchen. Sie ist es wert, erhalten zu werden. Wie majestätisch die Tiere in ihrer natürlichen Umwelt auf einen wirken. Toll, wir freuen uns auf unsere nächste Reise!